Voll in die Presse

VIDP#87 – Radio-Hits, Radio-Pannen und Radio-Romantik (Radio-Jubiläums-Edition mit DJ Belucci)

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In der siebenundachtzigsten Episode unseres ultrakurzweiligen Medien-Podcasts „Voll in die Presse“ dreht sich alles um das Radio, das heute 100-jähriges Jubiläum feiert. So lange ist es her, seit in Deutschland das erste dauerhafte Unterhaltungsprogramm gesendet wurde. Damals noch zum Schnupperpreis von 350 Mrd. Mark. Als virtueller Studiogast beehrt uns Funk- und Fernsehredakteur DJ Belucci. Als Mann vom Fach würzt er unsere - durch viele launige O-Töne aufgelockerten - romantisch beseelten Ausführungen mit der angemessenen Expertise. Kurzum, wir lieben das Radio und das hört man auch!

Die vollständigen Shownotes mit allen Bildern und Artikel-Links findet ihr unter: www.benanza.de/2023/podcast/vidp87-radio-hits-radio-pannen-und-radio-romantik-radio-jubilaeums-edition-mit-dj-belucci

Hörspiel-Panik und Alien-Radio

Aliens landen auf der Erde und ballern alle nieder – so lässt sich Orson Welles‘ Hörspiel „War of the Worlds“ sehr knapp zusammenfassen. Im Jahr 1938 lief das Stück im Stil einer Live-Berichterstattung im Radio. Sogleich, so wird kolportiert, brachen Teile des Publikums in Panik aus. Es ist gar von einzelnen Selbstmorden die Rede. Allerdings wird diese Darstellung zunehmend in Frage gestellt. So hatten die damaligen Zeitungsverleger gar keine Lust auf das neue Konkurrenz-Medium Radio. Sie berichteten wohl übermäßig reißerisch über die Resonanz auf das Hörspiel, um das neue Medium in ein schlechtes Licht zu rücken. Damals wie heute lassen sich dramatische Ereignisse eben besser verkaufen.

Ob die Sache mit den Aliens nicht am Ende doch übel endet, ist noch offen. Weil sich Funkwellen mit Lichtgeschwindigkeit ausbreiten, könnte Orson Welles‘ über 80 Jahre alte Sendung inzwischen den knapp 80 Lichtjahre entfernten Stern Regulus erreicht haben. Sollten dort Aliens hocken und sich nun inspiriert fühlen, die Erde heimzusuchen, würden sie uns wohl auch erst nach frühestens 80 weiteren Jahren erreichen. Beruhigend, dass wir bis dahin noch ungestört Radio hören können, ohne weggelasert zu werden.

Radio-Theorie und Radio-KI

Ungestört senden wollten in der Anfangszeit des Radios vor allem die staatlichen Organe. In den neuen Möglichkeiten, ein breites Publikum zu erreichen, sah man damals vor allem eine Gefahr. Man versuchte – nicht nur in Deutschland – das Radio zu monopolisieren. Als Radiohörer der ersten Stunde entwickelte der Dramatiker Bertolt Brecht eine ganz eigene Vorstellung vom damals neuen Medium. Warum sollten die Hörenden nur empfangen und nicht selbst kommunizieren? Richtig bekannt wurde Brechts Radiotheorie erst in den 1970ern, als die Gesellschaft für eine Radio-Bewegung von unten – der Bürgerfunk lässt grüßen – bereit war. Ob Brecht das Internet als Vollendung seiner Idee begreifen würde? An mitteilungsfreudigen Sendewilligen mangelt es dort ganz gewiss nicht.

Im Gegenteil findet nun die bisher vor allem im Internet feilgebotene künstliche Intelligenz den Weg ins alte Medium: Vor kurzem startete das KI-Webradio bigGPT inklusive virtueller Moderatorin namens bigLayla. Deren Tätigkeit basiert dankenswerterweise nicht nur auf den GPT-Modellen, sondern auch auf der Unterstützung eines menschlichen Redaktionsteams. Das Programm besteht ausschließlich aus computergenerierten Beiträgen und synthetischen Stimmen. Sicherheitshalber lässt man die KI aber nicht einfach machen, sondern schaut – beziehungsweise hört – vor der Veröffentlichung nochmal auf die generierten Inhalte.

Sende-Pionier und Übertragungs-Spitzenreiter

Von der Rundfunk-Idee bis zum Start des Unterhaltungsradios in Deutschland vergingen fast 30 Jahre. 1896 gelang dem Physiker Alexander Popow eine Radioübertragung über eine Strecke von ganzen 250 Metern. Für seinen Versuch übertrug der die Worte „Heinrich Hertz“. Wenige Monate später ließ allerdings Guglielmo Marconi den gleichen Versuchsaufbau patentieren – das hatte Popow versäumt.

Was als holpriger Versuchsaufbau begann, beschert uns heute das alljährliche „Last Christmas“ in Dauerschleife. Während wir mit dem Klassiker von Wham! nur saisonal drangsaliert werden, beschert uns das Radio aber auch ganzjährige Dauerbrenner. Der geschmacklichen Beharrlichkeit unzähliger Radio-DJs verdankt es die Band The Police, dass ihr Lied „Every Breath You Take“ insgesamt elf Millionen Mal im Radio gespielt wurde. Die Betreiber der Musikdatenbank DMDB rechnen vor, dass sie damit die Beatles mit „Yesterday“ auf den zweiten Platz verwiesen.

Immer vorne mit dabei und ganz ohne Dudelmusik – so schicken wir euch in die Sendepause bis zur nächsten Episode.

Über diesen Podcast

Voll in die Presse“ „Voll in die Presse“ ist der Medienspiegel-Podcast über herrlich schräge Meldungen, Berichte und Social-Media-Posts. Ob nun kurios, peinlich oder einfach nur verrückt, wir sprechen darüber. Dabei geht es nicht nur um die Meldung als solche sondern auch um die Geschichte dahinter. Und manchmal sogar um das große Ganze. Vieles ist auf den ersten Blick lustig, manches stimmt auf den zweiten Blick vielleicht nachdenklich. Auf jeden Fall bietet die Medienwelt unzählige Gelegenheiten für eine angeregte Unterhaltung.

Damit es dabei nicht zu trocken zugeht, gibt es parallel zum Gequatsche eine exquisite „Bottle-Party“. Das heißt konkret, jeder Mitstreiter bringt ein Getränk seiner Wahl mit zur Sendung und wir verkosten dieses während wir unsere Presse-Fundstücke diskutieren. So bekommt der Name „Voll in die Presse“ eine ganz neue Bedeutung. Aufgenommen wird das Ganze im Benanza-Bus, unserem fahrenden Ton-Studio. Das literarische Quartett von VIDP besteht aus den Herren Sammer, Beef Rogers, Prollo Ferrari und dem Gastgeber Ben Cartwright.

Eine Produktion von Benanza.Podcast. Mehr Infos unter https://www.benanza.de/category/podcast/voll-in-die-presse/

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